Kommunikation? – Kommunikation!

Seit Beginn unserer Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt mich dieses Thema:

Wie schaffen wir eine positive Kommunikation über Landwirtschaft, die auch beim Kunden ankommt?

Meine Aktivitäten in den Sozialen Medien beschränken sich vor allem auf Facebook, zu einem extrem geringen Teil auf Twitter. Des Weiteren bin ich jetzt seit einem Jahr hier mit meinem eigenen Blog online. aber wir machen auch nach wie vor sehr bewusst ganz real Hofführungen.

Dieser Blog war und ist für mich ein tolles Werkzeug, unseren Betrieb vorzustellen, vor allem aber zu zeigen, wie wir Landwirtschaft machen und machen wollen sowie auch ganz persönliche Gedanken zu formulieren. Ich habe den Eindruck, dass gerade das Persönliche (neudeutsch: das Storytelling) die Leute interessiert.

Zu Beginn meiner Aktivitäten auf Facebook (FB) habe ich mich auch noch in Diskussionen z. B. mit Vegetariern und Veganern beteiligt. Sehr schnell habe ich aber gemerkt, dass dies oft zu keinem Ziel führt und einfach meist sinnlos ist, weil wir Bauern „den anderen“ mit der selben Vehemenz unsere Argumente an den Kopf geworfen haben. „Mit den eigenen Waffen schlagen“ – eigentlich Quatsch. Auch hat es mich dann zu oft in meinen Gedanken beschäftigt und mir manche Stunde Schlaf geraubt. Das war es erst recht nicht wert! Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass es Kolleginnen und Kollegen sowie der Landwirtschaft Wohlgesonnene gibt, die sich den Diskussionen stellen und das Feld nicht einfach den Landwirtschaftskritikern überlassen!

Aber das System Facebook verleitet dazu, dass man irgendwann sich wieder nur unter seines- bzw. ihresgleichen, also Gleichgesinnten trifft, liked und teilt. Dann sind wir auch keinen Schritt weiter gekommen. Ein Feedback von Verbrauchern habe ich höchst selten bekommen!

 

Aber wie dann?

Für mich war in erster Linie wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern hier vor Ort wieder zu zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert. Vor meinen FB-Aktivitäten hatten wir ab und zu Hofführungen, aber die Leute kamen immer nur wegen der Biogasanlage. Ich habe aber immer die Chance genutzt, die Schweinehaltung und den Ackerbau sowie die gesamte Kreislaufwirtschaft zu erklären. Da habe ich gemerkt, dass das die Leute wirklich interessiert und sie dankbar sind für jede Information, die ihnen ein echter Bauer liefert und die sie nicht nur aus der Zeitung, dem Radio oder dem Fernsehen bekommen.

Nur wie bekomme ich dann die Informationen an die Leute? Da kam für mich FB gerade richtig: Ich konnte schreiben, wann ich Zeit hatte! Eine Führung braucht immer 1-3 Stunden Zeit am Stück. Und siehe da: mit der Zeit bekam ich dann auch aus dem Dorf bzw. der Stadt Rückmeldungen im persönlichen Gespräch, dass die Beiträge gelesen werden und wieder viel Dankbarkeit für die Informationen. Und das, obwohl die meisten „Likes“ und Kommentare immer noch aus dem Bereich Landwirtschaft kommen. Also konnte der Weg nicht ganz verkehrt sein!

 

Die nächste Stufe?

Das spornt natürlich an. Aber der „Freundeskreis“ auf Facebook ist dann doch auch wieder sehr selektiv. Viele lesen mit, aber man hat eigentlich keinen Überblick, wieviele es dann wirklich sind. Hier hilft einem Facebook, wenn man Unternehmensseiten erstellt und nicht nur Privataccounts. So habe ich 2 Seiten angelegt: eine für die Landwirtschaft und eine für die Biogasanlage, auch wenn sich das oft überschneidet. Hier bekomme ich dann den Service, wieviele Zugriffe auf die einzelnen Beiträge es gab. Das ist dann schon extrem interessant! Das ist oftmals ein Vielfaches der Follower auf der Seite. Dazu muss man aber dann auch den Mut haben, die Beiträge „öffentlich“ zu posten, mit allen Risiken.

Um das Umfeld um den Hof herum auch zu erreichen, erlaube ich mir mittlerweile auch des Öfteren die Redaktion unserer Zeitung über Neuigkeiten auf dem Hof zu informieren. Auch dort bin ich bisher immer auf offene Ohren gestoßen und habe mit einem Mal eine noch viel größere Öffentlichkeit. Natürlich muss man das wollen, aber mir bzw. uns als Familie ist es sehr wichtig, dass wir absolut transparent sind und wirklich alles zeigen. Nur so fassen die Leute Vertrauen in uns. Wenn hier irgendwo ein Gefühl da wäre, dass wir etwas verheimlichen, dann wäre das alles zum Scheitern verurteilt.

 

Was erwarten die Verbraucher?

Ich habe den Eindruck, dass es Grundvoraussetzung ist, dass ich als Bauer und Betriebsleiter vor allen Dingen ehrlich bin und jederzeit authentisch die Situation auf dem Hof schildere. Nur so kann ich Vertrauen aufbauen. Dazu gehört auch, dass man auch Probleme anspricht oder auch Zwischenfälle wie z.B. der Schaden am Tragluftdach im Juni diesen Jahres erklärt, um eventuelle Ängste auch ernst zu nehmen und abzubauen.

Sehr wichtig ist auch, dass wir offen und aktiv die Probleme ansprechen, die in der aktuellen Diskussion sind. Das war dieses Jahr insbesondere Glyphosat, zu dem ich mich auch schon hier auf dem Blog positioniert habe. Es gehört auch dazu, dass wir nicht einfach sagen, dass alles gut ist, so wie es ist. Das ist es zumindest in meinen Augen nicht. Die Verbraucher bzw. die Bürgerinnen und Bürger erwarten von uns Bauern, dass wir uns mit den Problemen und Fragestellungen auseinander setzen. Wenn am Ende dieses Prozesses für mich heraus kommt, dass der Status quo besser ist als eine öffentliche Meinung über mögliche Missstände, so muss ich diese auch vertreten können. Das akzeptieren dann viele auch.

Wir hatten natürlich dieses Jahr auch das Glück, für den CeresAward nominiert zu sein. Da war es leichter, die Presse für Beiträge zu gewinnen.

 

Das Feedback?

Auch hier sind die Verbraucher (unsere Kunden!) dankbar für alles, was sie erfahren können. Für mich ist das immer wieder erstaunlich, wer das alles liest und sich merkt. Aber genau das wollten wir ja erreichen! Wir haben jetzt auch probiert, über eine auf Facebook erstellte Veranstaltung eine Hofführung anzukündigen, weil ich nach wie vor für wichtig halte, dass es auch den direkten persönlichen Kontakt geben muss und die Verbraucher dann auch die Chance haben müssen, das Erzählte greifen zu können. Dadurch, dass wir keinen Hofladen haben und dadurch auch keinen direkten Kundenkontakt hier auf dem Hof, muss das eben über andere Kanäle laufen. Das probieren wir gerade aus. Das erste Mal hat das sehr gut geklappt!

Und was kommt aus der Landwirtschaft? Der Hardcore-Facebook-Kreis aus dem Bereich Landwirtschaft gibt einem ein ehrliches Feedback zum Glück. Das ist wichtig. Was mich noch irritiert ist, dass von den Berufskollegen vor Ort entweder gar nichts kommt oder wenn, dann meist negatives (was ich aber nur über Dritte erfahre). Ich wäre öffentlichkeitsgeil ist da noch das mildeste. Verstehe ich nicht. Ist mir aber mittlerweile auch egal, weil ich weiß, dass dieser Weg für uns der richtige ist und er ankommt. Schulterklopfen ist auch nicht das oberste Ziel, auch wenn es gut tut. Aber wie gesagt: mir ist wichtig, dass wir wieder einen Draht zueinander bekommen, Landwirtschaft und Verbraucher. Wenn wir nur gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen, kommen wir keinen Schritt weiter.

Was ich leider nicht gut kann, ist Landwirtschaft Kindern zu erklären. Das wäre ein fast noch wichtigerer Ansatz, Kindergärten und Schulen auf den Hof zu bekommen. Aber das kann ich erst ab einem Alter von vielleicht 12-14 Jahre. Es geht eben auch nicht alles und man muss wissen, was man kann und was nicht.

 

Das Fazit?

Weitermachen!!!! Weil es sich auch für uns als Betrieb auszahlt, wie wir jetzt im Bebauungsplan-Verfahren für die Biogasanlage feststellen konnten. Zu Beginn war hier sehr große Skepsis vorhanden. Dadurch, dass wir von Anfang an mit offenen Karten gespielt haben und alle Fragen beantworten konnten sowie die umfangreichen Genehmigungsunterlagen vielen die vorhandenen Zweifel zu einem großen Teil genommen haben, haben wir bisher von Seiten der Gremien eine einstimmige Zustimmung erhalten. Das ist im Bereich Biogas mittlerweile die große Ausnahme – leider.

Darum traut Euch auch in Zukunft, alle Fragen zu stellen, die Euch auf dem Herzen liegen, auch wenn sie kritisch sind. Wir haben für (fast) alles eine Antwort. Frei nach dem Spruch: „Es gibt keine dummen Fragen – nur dumme Antworten!“

Und nun wieder Feuer frei für Euere Rückmeldungen!

Euer Michael Reber

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo,
    wirklich ein toll geschriebener Beitrag. 🙂 Mein Freund und ich sind momentan selbst dabei, einen Blog aufzubauen und da habe ich mich gerade mal ein wenig umgeschaut. Die Erfahrungen, die du/ ihr hier beschreibt sind ein super Erfolg eurer Öffentlichkeitsarbeit und ermutigen uns dranzubleiben, auch wenn wir gerade erst ganz klein anfangen.
    Ich freue mich schon, in Zukunft regelmäßig auf eurer Seite vorbei zu schauen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Lena

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