Zwischen den Jahren – zwischen allen Stühlen?!

Die Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig: bei uns nennt man diese Zeit „Zwischen den Jahren“. Zeit, zurück zu blicken auf das vergangene, aber auch Zeit vorauszuschauen:

Ich will versuchen, wenig Negatives aus dem vergangenen Jahr im Kopf zu behalten. Aber der Tod lieber Menschen gehört hier an oberster Stelle bei der Rückschau eben dazu, weil es einem immer wieder klar macht, dass Gesundheit das höchste Gut ist. Das mache ich mir seither wieder verstärkt bewusst (irgendwie braucht man diesen Schuss vor den Bug wohl immer zuerst). Lieber kein Geld als krank. Das war so der Einstieg in das Jahr 2017, schmerzhaft, vor allem für meine Frau, die solche Schicksalsschläge schon mehrfach mitgemacht hat. Davon bin ich seither immer verschont geblieben und ich hoffe, dass es so bleibt. Aber es liegt nicht in meiner Hand. Wenn ich etwas gelernt habe in den letzten Jahren, dann, dass alles seinen Grund hat.

Aber jetzt schaue ich doch lieber auf das Positive zurück! Ich habe eine tolle Frau, die mir immer den Rücken gestärkt hat, die aber immer im Schatten von mir steht als Ehefrau vom Gemeinderat, vom „öffentlichkeitsgeilen“ Facebook-Bauer (ja, das haben tatsächlich einige „Kollegen“ gesagt!). Das ist nicht einfach. Dabei ist es eigentlich zu 100% ihr Verdienst, dass ich als Mensch heute da stehe, wo ich bin! Dass ich bereit war, mich zu verändern, was ich selbst erst gemerkt habe, als ich bzw. der Betrieb wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand stand! Schade.

Um so schöner, dass wir beide jetzt wissen, wohin wir gehören, was wir wollen, was unser Weg ist als Familie und als Betrieb. Zu diesem Thema („Zwischen allen Stühlen“!) später noch mehr! Und unsere beiden Kinder sind schon genauso individuell, nicht Mainstream. Das ist schwer für die beiden im Alltag, in dem heute alle gleich sein sollen. Unsere Aufgabe als Eltern ist es da jetzt auch, ihnen den Rücken zu stärken und sie ihren Weg gehen zu lassen und dabei so gut es geht zu unterstützen, was in der Pubertät natürlich nicht immer einfach ist. Da fetzt es ganz schön oft… Aber waren wir anders? Ich finde es immer wieder herrlich, wie man den Spiegel von den Kindern unbewusst vorgehalten bekommt, wie wir selber waren. Das entspannt die meisten Situationen ganz schnell.

An der Biogasanlage haben wir zum Jahresende endlich unsere Genehmigung bekommen, so dass wir ab Januar endlich Gas geben können (schönes Wortspiel, gell?!). Wird auch Zeit. Hohe Investitionen mit sportlich gesteckten Tilgungszielen erfordern auch ordentlichen Umsatz. Das wird 2018 hoffentlich endlich klappen.

Für mich extrem positiv war aber die weitere Umsetzung unseres Ackerbaukonzepts. Zusammen mit endlich mal halbwegs normaler Witterung für unsere Region konnten wir gute bis hervorragende Erträge erzielen. Die Erfolge im Boden lassen aber auf noch viel mehr hoffen! Da haben wir 2017 ja erstmals konsequent auf einer größeren Teilfläche alles umgesetzt, was ich gelernt hatte und jedes Jahr dazu lerne. Das war schon phantastisch zu sehen, wie schnell man Boden- bzw. Humusaufbau machen kann. Das macht uns so viel Hoffnung für die Zukunft. Für mich die wichtigste Erkenntnis dieses Jahres: so macht mir Landwirtschaft wieder richtig Spass! Und das ist unbezahlbar!

Ab Januar 2017 kamen dann auch die ersten Anfragen nach Vorträgen zu dem Thema, was sich jetzt für diesen Winter extrem verstärkt hat. Für mich als einer, der sich in der Schule immer um Referate gedrückt hat, der lieber schreibt als redet, der Smalltalk überhaupt nicht kann, eine echte Herausforderung, sich vor die Leute hin zu stellen und einen Vortrag zu halten. Aber wenn ich von etwas erzählen kann, wofür ich brenne, fällt es doch etwas leichter, aber ich muss das noch weiter verbessern, an der Stimme arbeiten, etc. Aber jede Anfrage freut und ehrt mich sehr! Ich merke aber auch, dass es sehr schwierig ist, den tatsächlichen Zeitaufwand für die Vorbereitung und den Vortrag selbst adäquat honoriert zu bekommen. Da muss wohl gerade in der Landwirtschaft noch ein Umdenken stattfinden, dass Wissen etwas kosten darf! Ich möchte damit nicht reich werden, aber die Zeit, die Vorträge kosten, ist auch bei uns etwas wert. Aber ich will nicht jammern. Man muss sich das ja auch erarbeiten. Wie gesagt, es ehrt mich schon sehr, dass sich andere für das, was wir tun, interessieren. Und wir sind ja erst ganz am Anfang!

 

Neue Freunde!

So nervig die sozialen Medien oft auch sind: viele von Euch hätte ich anders nicht kennengelernt und sicher wäre auch die Nachfrage nach Vorträgen so nicht gekommen. Fluch und Segen eben. Muss ich durch. Macht ja meistens auch Spass 😉

2017 bleiben mir zwei Personen besonders in Erinnerung und ich bin dankbar, dass ich Euch im abgelaufenen Jahr kennen lernen durfte:

Da ist zum einen Phillip Krainbring aus Hohendodeleben in der Nähe von Magdeburg. Seinen Vater Stefan kenne ich schon etwas länger, seit der CeresAward-Verleihung 2016 auch persönlich. Beides positiv verrückte Ackerbauern, die auch immer auf der Suche nach neuen, alternativen Wegen sind. Erst war es eine reine Facebook-Bekanntschaft, dann haben wir uns näher ausgetauscht über unsere jeweiligen Ansätze und so auch gegenseitig schätzen gelernt. Und dann fährt der Phillip einfach mal kurz zu mir auf den Hof, um sich das anzuschauen. Wie geil ist das denn?! Für so etwas möchte ich mir 2018 auch deutlich mehr Zeit nehmen: Leute, die mir wichtig sind, einfach mal besuchen. Nicht nur das Fachliche im Vordergrund, sondern sich einfach austauschen. Phillip ist für mich auch Beispiel, wie man modern Öffentlichkeitsarbeit macht. Ein Besuch ist fest geplant!

Der zweite ist Stefan Leichenauer aus Tengen im Hegau im südlichen Baden-Württemberg. Auch hier hat es mit einer einfachen FB-Freundschaft begonnen. Und mit der Zeit wurde mehr daraus, zuletzt haben wir uns dann auch mal persönlich kennengelernt auf der Agritechnica und bei einem Vortrag von mir südlich von Stuttgart. Stefan hat eine bewegte Zeit hinter sich die letzten 2 Jahre. Respekt vor dem, was Du geschafft hast. Deine Familie und vor allem auch Dich zu retten, das war sicher nicht einfach. Aber eben notwendig, um nicht alles zu verlieren. Da sind meine Sorgen zum Glück immer noch nur finanzieller Art! Du hast erkannt, dass die Familie einfach das wichtigste ist, und dass man dafür alles Mögliche und vielleicht auch Unmögliche tun sollte. Das schaffen nicht viele, was Du in den 2 Jahren erreicht hast! Ich denke, das ist auch das, was uns verbindet: den Weg für sich als Mensch, als Ehemann und Vater und auch als Bauer gefunden zu haben, gegen alle Konventionen. So schmerzlich die Suche war, so schön ist es, wenn man den Weg gefunden hat. Wie heißt es so schön: Wer ausgetrampelte Pfade nicht verlässt, hinterlässt keine eigenen Spuren. Da ist was dran.

Auch der Besuch bei Euch (oder bei uns) steht 2018 auf der Prioritätenliste ganz oben!

Zwischen allen Stühlen!

Das ist immer häufiger das Gefühl, das mich 2017 überkommen hat. Egal ob im Ackerbau (hier vor allem!), mit meinen Ansichten zur Landwirtschaft der Zukunft, in den sozialen Medien oder aber auch politisch: irgendwie finde ich mich nirgends so richtig wieder. Um so schöner ist es dann, wenn man dafür Unterstützung bekommt. Das braucht man halt doch irgendwie.

Aber doch ist es manchmal schmerzlich, wenn Du in einer Zeit, in der es nur noch einfache Lösungen gibt mit schwarz oder weiß, gut oder böse, bio oder konventionell, pro oder contra Merkel, usw. eine Position hast, die sich zwischen den beiden Fronten befindet, dann wirst Du halt auch von beiden beschossen. Das kann doch auch mal schmerzhaft sein, gerade für mich als harmoniesüchtigen Menschen!

Mir aber (meist) Wurscht! Das bin ich, das ist meine Ansicht, das ist unser Weg, wie wir Landwirtschaft machen wollen, wie ich politische Lagen einschätze. Vielleicht sollte ich trotz Harmoniebedürftigkeit im nächsten Jahr doch mehr Kante zeigen, meine Meinung deutlicher artikulieren als zuletzt. Das braucht halt Energie, die ich 2017 woanders brauchte. Aber das habe ich von meinem Vater (wenn auch spät gelernt): wer immer ehrlich sagt, was er denkt, wird nicht immer geliebt, aber er wird respektiert, dass er überhaupt eine Meinung hat. Das war für uns als Kinder auch nicht immer einfach früher, wenn er in der Kommunalpolitik hart gekämpft hat. Hier will und muss ich mich 2018 wohl mehr engagieren. Leider muss man das auch immer mehr öffentlichkeitswirksam machen, obwohl ich ganz gern im Hintergrund arbeite. Mal sehen, wie ich das hin bekomme. Da bin ich selbst gespannt.

In diesem Sinne danke ich Euch allen für Euer Feedback im vergangenen Jahr, egal ob positiv oder negativ. Jede artikulierte Meinung ist mir wichtig und ich schätze sie sehr, auch wenn ich nicht jede teile! Sollte ich irgendjemand verletzt haben im letzten Jahr (Achtung: jetzt kommt wieder die Harmoniebedürftigkeit!), so möchte ich mich dafür entschuldigen! Das ist nie persönlich gemeint.

 

Nun ist aber Schluss für dieses Jahr! Meine Frau und ich wünschen Euch einen guten Rutsch. Mögen Eure Wünsche für 2018 in Erfüllung gehen. Vor allem aber bleibt gesund, glücklich und zufrieden.

Manuela und Michl Reber

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Michl, danke für deine Einblicke in dein Leben. Du machst das schon richtig. Man darf auch mal Zweifel haben, ob der eigene Weg, auf dem man läuft, der richtige ist, oder nicht. Hauptsache man brennt für etwas, und das tust du ganz gewiß.
    Und auf die Aussagen deiner lieben Kollegen, die dich öffentlichkeitsgeil bezeichnen, da würde ich wenig geben. Die sollen es sich erst mal trauen, vor versammelter Mannschaft hinzustellen und einen Vortrag zu halten, geschweige denn die Social Media Kanäle aufzubauen.

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