Ich habe es satt!

Aufgrund eines doch sehr arbeitsintensiven Herbstes habe ich hier schon länger nichts mehr gebloggt. Aber was in den letzten Wochen wieder so in den sozialen Medien abging, hat mich doch mehr beschäftigt, als es sollte! Und jetzt ist es soweit:

 

Ich habe es satt!

Ich habe es satt,

  • als Bauer für alles auf dieser Welt schuld zu sein! Am Klimawandel, am Insektensterben, am Tierleid, am Weltfrieden, einfach an allem ist gefühlt zum Schluss immer die Landwirtschaft schuld. Selbst wenn ich bei einigen Punkten für den eigenen Betrieb sagen kann, dass wir es gut machen und ich nicht betroffen sein müsste, trifft es mich trotzdem und das schmerzt jedes Mal wieder!
  • dass insbesondere NGO´s und einige PolitikerInnen mit (bewusst?!) falschen Daten und Fakten in selbst finanzierten Studien über die Presse und Medien Stimmung gegen die konventionelle Landwirtschaft (komischerweise weniger gegen die Politik, die diese Landwirtschaft doch so, wie sie ist, gesetzlich geregelt und damit gewollt hat oder auch direkt gegen die Industrie – außer das Dauer-Monster Monsanto) macht.
  • dass sich Alles und Jede(r) zu Wort melden muss, wenn es um Landwirtschaft geht! Ich verstehe, dass das Thema Ernährung natürlich essentiell ist und wir heute eine andere Öffentlichkeit haben als noch vor 10 Jahren. Fluch und Segen des Internets und der sozialen Medien.
  • dass komischerweise von Seiten der Wissenschaft und auch der Industrie wenig bis nichts zu hören ist. Da überlässt man uns Bauern der Diffamierung in der Öffentlichkeit. (Wie gesagt: das ist meine subjektive Wahrnehmung!)
  • dass sich die Verbraucher, die uns unterstützen (und das ist laut Umfragen doch immer noch der weit überwiegende Teil der Bevölkerung!), so wenig zu Wort melden gerade in den sozialen Medien, aber auch in der öffentlichen Diskussion vor Ort, in den Printmedien, etc. Wo seid Ihr denn???

 

Ich habe es aber auch satt,

  • dass wir Bauern keinen Deut besser sind in unserer Argumentation und unseren Kritikern in genau derselben Art und Weise gegenübertreten. Immer nur Aktion (Anschuldigungen an die Landwirtschaft) und Reaktion (der Landwirtschaft), aber keinerlei auf einander zugehen! Unter den Kritikern sind nicht nur solche, die das berufsmäßig tun (NGO´s), sondern auch sehr viele vernünftige Menschen, die einfach eine andere Landwirtschaft wollen in der Breite, nicht nur Bio. Auch diese werden in den Diskussionen in den sozialen Medien zum Teil übel von uns Bauern beschimpft. Müssen wir uns da wundern, dass das immer aggressiver wird? Sich in die Situation des Gegenüber rein zu denken (siehe Bild oben!), verstehen, warum er so denkt, hilft oft, aber nicht immer. Vertreter von NGO´s wird man schwierig vom Gegenteil überzeugen können, weil es eben deren Geschäftsmodell ist, so Spendengelder zu generieren. Aber ich meine insbesondere diejenigen, die MIT der Landwirtschaft etwas gemeinsam verändern wollen und deren Bereitschaft, das finanziell mitzutragen, eben auch nicht nur Lippenbekenntnisse sind! Nur hauen wir diese oft gleich mit in den Topf und verunglimpfen dann auch vernünftig denkende MitbürgerInnen.
  • dass wir Bauern es in der Breite immer noch nicht geschafft haben, Angebote und Vorschläge für eine Landwirtschaft der Zukunft aktiv von unserer Seite aus zu machen. Stichwort gesellschaftlicher Grundkonsens: DLG, WLV und auch zögerlich der DBV haben Positionspapiere heraus gegeben mit interessanten Ansätzen. Aber wo ist die Diskussion nach innen? Das muss aus der Gremienebene endlich auf die Mitgliederebene und auch verbandsübergreifend diskutiert werden! Die aktuellen Sondierungsgespräche böten dazu Gelegenheit, gerade weil die drei beteiligten Parteien so verschieden sind, das Thema Landwirtschaft in Deutschland bis 2035 auf eine breite Basis zu stellen. Stattdessen geht es in den Diskussionen innerhalb der Landwirtschaft nur darum, möglichst wenig verändern zu müssen. Hätten wir die Dinge intern schon länger und intensiver diskutiert, hätte man ein Angebot an die Politik. Aber da ist nichts. Ich will AKTION statt dauernder Reaktion/Rechtfertigung.
  • jeden Berufsschlamper innerhalb der Landwirtschaft mit zu decken! Ich rede hier nicht von kleineren Verstößen, die aufgrund der Gesetzesflut (wie war das nochmal mit dem Bürokratieabbau?) praktisch jedem Landwirt passieren können (auch mir!), sondern von denen, die Gesetze mutwillig und konstant missachten! Sei es Tierhaltung, Pflanzenbau, Bodenschutz, Düngeverordnung: Jede(r) kennt solche Bauern. Das fällt uns ALLEN immer wieder auf die Füße mit schärferen Gesetzen. Darüber lamentieren wir dann monate- und jahrelang, aber die eigentlich Schuldigen werden von uns nie benannt! Ich habe das zweimal versucht, ohne Namen zu nennen. Gesteinigt wurde der Überbringer der Nachricht, nicht der Verursacher!

Ich habe es satt, wie in Zeiten des Internets miteinander umgegangen wird. Auch ich selbst ertappe mich dabei, wie einem ein geschriebenes Wort deutlich leichter und schneller rausrutscht, als wenn ich es dem Gegenüber ins Gesicht sagen müsste. Das sollten wir uns vielleicht alle mal wieder vor Augen führen, bevor wir etwas schreiben: „Würde ich das jetzt dem-/derjenigen so auch ins Gesicht sagen?“ oder wäre es besser, erst mal drüber zu schlafen?

Wie schaffen wir Bauern es, aus der Defensive rauszukommen? Nur so schaffen wir doch für uns eine Perspektive für die Zukunft, oder? So wie im Moment, wenn man gefühlt dauernd in der Ecke steht, kann es nicht weiter gehen! Schon allein deshalb nicht, weil das für die nächste Generation nicht tragbar ist und sich die Jugend vom Hof verabschiedet! Ich habe darauf auch noch keine allgemeingültige Antwort. Aber ich finde, dass wir uns als Landwirtschaft mehr bewegen müssen. Nicht alles, was von uns gefordert wird, kostet immer mehr Geld. Wieder selbst öfter das Hirn einschalten und immer wieder alle Abläufe im Betrieb hinterfragen hilft oft schon. Aber das ist anstrengender als alles so weiter laufen lassen wie es schon immer war.

 

Trotzdem: allen einen schönen Sonntag noch!

Euer Michl Reber

(Bild-Quelle: www.fair-verhandeln.de)

 

Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Lieber Michl,

    danke für deine offenen Worte. Ich bin immer wieder fasziniert, dass du neben deiner Arbeitszeit, die dein Betrieb von dir fordert, noch die Zeit findest, dir Gedanken über die Landwirtschaft zu machen, und diese zu formulieren.
    Ich möchte mal eine Statement zu den „Berufsschlampern“ abgeben. Klar es gibt solche, die sind unverbesserlich. Es ist einfach ihre Eigenart schlampig zu sein. Unfertige Arbeiten stören sie nicht.
    Es gibt aber auch welche, denen die Arbeit und der Betrieb bedingt durch die Größe, einfach über den Kopf gewachsen ist. Nicht jeder Landwirt ist dazu geeignet, einen großen Betrieb zu führen.
    Und wie schaut die Zukunft aus? Die Betriebe werden weiter wachsen, denn auf vielen Höfen fehlt der Hofnachfolger.
    Genau hier bin ich der Meinung, dass das strenge Vorschriften- Korsett, das uns Landwirten das Leben schwer macht, endlich gelockert wird.
    Das beginnt bei den Auflagen im Ackerbau, beim Grünland und endet bei den Fallstricken und Steuerbelastungen bei der Hofübergabe.
    Wir müssen unserer bäuerlichen Jugend das Führen eines Hofes wieder schmackhaft machen.
    So sehe ich das.
    Der Franz aus dem Allgäu

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