Die Bauern jammern immer über das Wetter!

Ja, das bekomme ich sehr oft gesagt, weil das Thema Wetter mich die komplette Vegetation über beschäftigt!

Aber warum kommt das als Jammern rüber? Für Außenstehende sicher schwer zu verstehen, darum versuche ich Euch mal zu erklären, warum mich das Wetter so beschäftigt:

Da wir keine Tierhaltung mehr haben, ist unsere (nahezu) einzige Einnahmequelle der Verkauf von Ernteprodukten vom Feld, in unserem Fall nahezu ausschließlich Nachwachsende Rohstoffe (NaWaRos) für die Biogasanlage, also Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS), Grassilage und Silomais.

Wir sind also voll vom Wetter abhängig. Ich möchte Euch das anhand des aktuellen Erntejahres mal erklären. Von November bis Januar hatten wir sehr viel Niederschläge, jeweils mehr als normal im Durchschnitt. Auch der letzte Sommer war ja schon sehr nass, da hatten wir allerdings Glück, dass wir unser Getreide schon vor der Regenperiode geerntet hatten. Den Silomais konnten wir auch in einer trockenen Phase ernten, so dass wir im Boden nichts kaputt gemach haben.

Die nassen Wintermonate haben dazu geführt, dass das Getreide nur ein schwaches Wurzelwerk ausgebildet hat, weil es im Wasser stand. Seit Februar haben wir nun immer zu wenig Regen gegenüber dem langjährigen Mittel, bis Ende März auch noch eine späte Frostperiode. Nach Ostern (mit Schnee im Norden und Osten) ging es dann innerhalb knapp 20 Tagen auf eine Woche mit fast 30 Grad, danach noch 1 Woche mit starkem, trockenen Ostwind.

Das Getreide wuchs in dieser Zeit extrem schnell, allerdings hat das schwache Wurzelwerk aus dem Winter nicht so schnell mitwachsen können, so dass bereits Ende April dem Getreide das Wasser knapp wurde! Das hatten wir auch noch nie.

Außer 5 Tagen mit insgesamt 60mm Regen Mitte Mai hatten wir hier am Hof bis vor 14 Tagen kaum Regen. Ringsherum Starkniederschläge, und wir mussten zuschauen, ohne nennenswerte Mengen zu bekommen. Und ab morgen sollen die Temperaturen wieder deutlich ansteigen!

Aber warum jammern wir denn (kommt es wirklich so negativ rüber?)?

Nun, ganz einfach: Beim Getreide bei der Ernte letzte Woche fehlten uns jetzt nur witterungsbedingt 1/3 des Ertrags! Allein da fehlen unserem Betrieb über 40.000,-€ an Einnahmen! Das ist so, wie wenn Ihr Euren Lohn z.B. nur an Weihnachten bekommen würdet, nicht monatlich, und Euer Chef sagt Euch dann: „Tut mir leid, 1/3 des Gehalts für das vergangene Jahr kann ich Dir nicht geben.“ Aber Zins und Tilgung fürs Haus, Auto, Diesel, etc. müsst Ihr trotzdem bezahlen. Wie würde es Euch da gehen???

Aufgrund unserer betrieblichen Situation konnten wir die letzten Jahre keine Rücklagen bilden. Somit trifft uns das jetzt voll. Alle Kosten sind zum Zeitpunkt der Ernte ausgegeben, den Rest hat nur der liebe Gott in der Hand. Wir müssen jetzt schauen, wie wir das wieder mit der Bank geregelt bekommen. Zum Glück haben wir hier kompetente Leute, die unsere Situation verstehen und den Weg mit uns gehen.

Die nächsten 2 Wochen soll es heiß werden und Regen ist auch nicht in Sicht. Dann wird es auch für den Mais eng. Und dann hätte irgendwann die Biogasanlage auch ein Problem. Aber daran denke ich jetzt erst mal nicht!

In der Hoffnung auf etwas mehr Verständnis, wenn die Bauern gefühlt immer über das Wetter jammern, wünsche ich Euch ein schönes Wochenende! Und den Typen vom Wetter, wenn sie wieder von einem „endlich sommerlichen Wochenende“, wünsche ich etwas mehr Hirn. Wenn mal die Regale nicht mehr ganz voll werden, weil alles vertrocknet ist, wachen vielleicht auch die Sonnenanbeter auf. Wir brauchen dringend 1 Woche Landregen.

Euer Michl

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