Alles – außer gewöhnlich.

So in etwa kann man das zurückliegende Jahr kurz und knapp beschreiben!

Genauso wie schon die Jahre zuvor. Was ist dann gewöhnlich? Gute Frage – nächste Frage. Aber blicken wir nochmal zurück, was denn alles war und schauen dann aber nach vorne, denn: Wir leben heute. Gestalten können wir nur die Zukunft. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern! Und die Entscheidungen haben wir alle selbst getroffen! Da gebe ich niemand anderem die Schuld! Also müssen wir jetzt auch damit leben und schauen, dass wir in Zukunft trotzdem damit klar kommen.

Rückblick 2016

Die Schweinerei.

Zu Beginn des Jahres gingen die Schweinepreise steil bergab. Da wir in dem Bereich schon längere Zeit nicht mehr in die schwarzen Zahlen kommen, mussten wir eine Entscheidung treffen. Ab Anfang April haben wir dann keine Ferkel mehr eingestallt und die Ställe sukzessive bis Ende August leer gemacht. Emotional hatte ich schon länger damit abgeschlossen, darum fiel im Nachhinein der Schritt doch nicht so schwer wie gedacht. Nachdem gestern die Steuerberaterin da war, haben wir die defizitären Zahlen auch schwarz auf weiß. Beängstigend.

Trotzdem kommen wir doch nicht ganz davon los und so haben wir uns entschieden, die Strohställe noch einmal mit Schweinen zu belegen, aber eben mit anderen Rassen, die (hoffentlich) eine noch bessere Fleischqualität haben werden als die Standardschweine. Wir wollen sie auch etwas schwerer machen als normal, damit das Fleisch etwas reifer wird. Wer Interesse hat, darf gerne auf uns zukommen. Wir stellen das Konzept dann gerne vor und wollen Euch auch die Schweine zeigen!

Der Ackerbau.

Auch hier war nichts gewöhnlich. Insbesondere der Mais auf den Gailenkirchener Standorten mit schweren Tonböden hatte dieses Jahr mit den Unwettern und Starkregen ab Ende Mai (mit dem katastrophalen Hochwasser in Braunsbach) bis Ende Juni schon sehr früh verloren. Hier hatten wir nun schon die 2. schlechte Ernte hintereinander, da ab Mitte August dann auf einmal Hitze und Trockenheit kamen und den Mais innerhalb von 4 Wochen zur Notreife brachten. Auf den besseren Standorten wuchs allerdings auch eine ganz gute Maisernte heran. Leider hatten wir auf diesen keinen Mais. Beim Getreide sahen wir dieses Jahr die Erfolge unseres neuen Ackerbausystems aber sehr gut. Die Erträge UND die Qualitäten waren vor allem beim Weizen sehr gut in Anbetracht der Witterung und unseres Aufwands. Das macht Hoffnung!

Der private Supergau. 

Die Nacht vom 7. auf den 8. Juni 2016 wird für uns unvergessen bleiben. Nur dank der installierten Rauchmelder sind wir alle noch am Leben und wir hatten lediglich Sachschaden zu verzeichnen. Der war allerdings gigantisch! Näheres könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Stand heute haben wir eine Komplettrenovierung im Haus gehabt. So positiv muss man es jetzt einfach sehen. Wir hatten zum Glück alles richtig versichert und eine sehr gute Versicherung, die uns immer unterstützt hat!

Die Biogasanlage.

Hier haben uns dieses Jahr die Reparaturen viel beschäftigt als uns lieb war. Im Kopf bleibt der Schaden am Tragluftdach vom 14.6., der nach dem Starkregen am 29.5. und dem Brand am 8.6. der dritte Schaden innerhalb von etwas mehr als 2 Wochen war. Aber auch sonst waren das vergangene Jahr sehr reparaturanfällig, so dass die Biogasanlage leider auch keinen positiven Beitrag zum Einkommen leisten kann.

Die Zweifel werden größer.

Das alles hat mich die letzten Wochen erst so richtig beschäftigt, als die Arbeit auf dem Feld erledigt war und der Kopf Freiräume zum Nachdenken bekam. Ängste, schlaflose Nächte, Angst um die eigene Gesundheit: all das kreist ständig herum. Manchmal mache ich mir Sorgen, ob ich schon depressiv bin und wünsche mir, dass ich abends einfach mal den Kopf ausschalten könnte und 8 Stunden am Stück schlafen. Zum Glück habe ich meine Familie, die mich da auffängt und aufbaut.

Wenn man sich die Konten des Betriebs anschaut, wird es einem schwindelig und man ist nur am Jonglieren und Zahlen für die Bank liefern. Aber ich kann das, was geschehen ist, nicht mehr ändern, also müssen wir, auch in schwierigen Zeiten, nach vorne schauen und suchen, wo wir noch besser werden können und wo sich neue Chancen sich für uns als Betrieb ergeben. Für unseren Betrieb wollen wir unabhängiger von globalen Märkten werden, auf die wir nahezu keinen Einfluss haben. Darum wird auch im Ackerbau eine noch engere Verzahnung mit der Biogasanlage stattfinden.

Wichtig ist, dass Neues in Zukunft ohne große Investitionen gehen muss bzw. deutlich schnellere Kapitalrückflüsse haben muss als im klassischen landwirtschaftlichen Bereich. Wenn alles nur der Bank gehört, arbeiten wir auch nur dafür. Das ist nicht wirklich motivierend. Ich hoffe einfach, dass es im kommenden Jahr endlich auch wirtschaftlich mal wieder positives zu berichten gibt. Ansonsten habe ich wirklich Angst um unseren Betrieb, dass wir ihn (be-)halten können! Darum werden wir kämpfen, so lange es geht.

 

Und trotzdem: Da gab es auch so viel Positives!

Daran müssen wir, muss ich mich dann auch wieder hochziehen!

Zu allererst: wir sind gesund und wir sind als Familie intakt. Das ist unbezahlbar, wie uns leider in jüngster Zeit verschiedene Fälle im Familienkreis aufgrund von Krankheit deutlich machen.
Genau am Tag des Brandes kam z.B. die Email von der Jury des CeresAwards, dass wir in der Kategorie Ackerbau für den Award nominiert, sprich: unter den 3 Finalisten sind. Ein unvergessliches Erlebnis und auch eine Anerkennung unseres Veränderungsprozesses in diesem Bereich! Danke an den dlv und das ganze Team des CeresAwards um Detlef Steinert! Es hat uns gerade in diesem Jahr so richtig gut getan! Wir durften wieder so viele neue Leute kennen lernen. Das ist so bereichernd!

Auch haben wir es geschafft, aus der Not eine Tugend zu machen im Bereich Streuobstwiesen mit unserem Saft. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es ein Glücksfall war! Darauf können wir aufbauen, weil es sehr gut angelaufen ist.

Und jetzt zum Jahresende habe ich noch 2 Einladungen bekommen zu Podiumsdiskussionen als „Blogger“. Das ist schon cool, wenn man bedenkt, dass es gerade ein Jahr her ist, dass ich damit angefangen habe. Auf Facebook bin ich natürlich schon länger unterwegs. Aber es tut gut, dass das anerkannt wird, gerade weil hier im räumlich näheren landwirtschaftlichen Umfeld dazu sehr wenig positives Feedback zurück kommt.
Auch die vielen Führungen auf unserem Hof waren sehr bereichernd, weil wir merken, dass da sehr viel Dankbarkeit zurück kommt, etwas
über uns erfahren zu können, auch über Sorgen und Nöte der Landwirtschaft. Ich finde, das müssen wir noch sehr viel mehr machen und ist mindestens genauso wichtig wie Öffentlichkeitsarbeit auf Facebook, Twitter, Blogs und Co., weil man dann auch wieder merkt, dass es noch sehr viel „normal“ denkende Menschen gibt, die unsere Arbeit wertschätzen. SocialMedia ist nicht die Welt, das müssen auch die Politiker wieder lernen. Kommt zu uns und redet mit uns, nicht nur über uns!

Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr so viel Anerkennung bekommen für den Weg, den wir gehen, dass wir jetzt auch sicher sind, dass dies der richtige Weg ist, auch vor uns selbst, wenn wir morgens in den Spiegel schauen! Danke allen hierfür, die uns Mut gemacht und uns unterstützt haben, auch und gerade in schwierigen Zeiten! Allen voran unserer Familie und unseren Mitarbeitern, die immer da waren, wenn wir sie gebraucht haben! Das tut gut!

Was wünschen wir uns in Anbetracht dessen nun vom Jahr 2017?

Ich möchte das nur relativ kurz in Stichpunkten aufzählen:

  • Gesundheit! Ohne ist alles nichts! (nicht nur für uns, sondern für Euch alle natürlich!)
  • Ideen für eine wirtschaftliche Nutzung der leerstehenden Gebäude (da sind wir offen auch für Eure Einfälle!).
  • Ein witterungsmäßig einfach mal wieder normales Jahr. Das wäre dann auch für die Finanzen eine Entspannung. Nur wenn wir wirtschaftlich endlich wieder erfolgreich werden, können wir uns überhaupt über die Zukunft des Betriebes Gedanken machen.
  • Innerhalb der Landwirtschaft wünsche ich mir ein besseres Miteinander und auch mehr Toleranz gegenüber anders Denkenden und zwischen den so vielfältigen Wirtschaftsweisen. Wer sich die FinalistInnen des CeresAward anschaut merkt, dass es nicht „die Landwirtschaft“ gibt, weder bei Bio noch bei Konventionell! Jeder Hof ist individuell, das ist doch das spannende daran!
  • Für die Biogasanlage hoffen wir auf baldige Genehmigung des Bebauungsplans und möglichst zeitgleich die Genehmigung der Leistungserhöhung, um hier wieder wirtschaftlich stabiler zu werden.

Was mich außerhalb des Betriebes noch beschäftigt, schreibe ich mal bei Gelegenheit im neuen Jahr!

Wir wünschen Euch einen guten Rutsch und für 2017 von Herzen alles Gute, vor allem aber Gesundheit. Dieses ist das höchste Gut. Vieles andere kann man kaufen. Wir freuen uns auf persönliche Kontakte und fruchtbare Gespräche mit Euch im neuen Jahr und hoffen auf Eure Unterstützung und kritisch konstruktive Begleitung bei unserem Tun.

Eure Familie Reber

 

3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Deine Offenheit tut echt gut – auch über die schwierigen Seiten offen zu sprechen. So viele Baustellen! Auch wenn wir in anderen Dimensionen schuften, stecken doch immer die Menschen dahinter, die das stemmen. Ich finds wahnsinnig ermutigend, dass ihr bei all dem Druck als Familie zusammen haltet! Also weiter so! Mit den Schweinen das klingt doch spannend – mit Direktvermarktung kriegt man direkte Wertschätzung und es bleibt mehr Geld beim Erzeuger, die guten Werte beim Getreide sind auch toll. Also weiter so, Schritt für Schritt!

  2. Hallo,

    für die Nutzung der leerstehenden Gebäude fallen mir spontan folgende Möglichkeiten ein:

    – Indoorspielplatz
    – Pilzzucht (Bio)

    Mit besten Grüßen
    B. Arendt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*